Arbeitskalender Januar

Im Winter haben Obstbäume keine Blätter, deshalb ist eine gute Übersicht gegeben und die Bäume
können besser geschnitten werden. Zudem befindet sich der Obstbaum in einer winterlichen
Ruhephase. In dieser Saftruhe sind alle physiologischen Prozesse im Baum heruntergefahren und
der Baum reagiert nicht auf Schnittverletzungen. Ein Schnitt im Winter erhöht den
Wachstumseffekt im Frühjahr. Die Energie, die in den Wurzeln gespeichert wird und für die im
Herbst noch vorhandenen Äste gedacht war, wird nun in die Neubildung und das Wachstum von
jungen Trieben gesteckt.
Grundsätzlich kann gesagt werden: Je stärker ein Baum geschnitten wird, desto stärker wird er
austreiben; je steiler ein Ast steht, umso stärker wächst er. Möchten Sie den Wuchs eines Baumes
bremsen, so empfiehlt sich eher ein Sommerschnitt. Hier können Sie auch besser einschätzen, wie
stark geschnitten werden muss. Der Baum soll genug durchlüftet werden und trotzdem genug
Blätter haben, die Schatten werfen und Sonnenbrand auf den Früchten verhindern. Generell soll
durch den Schnitt eine Balance zwischen Fruchtbildung und Triebwachstum geschaffen werden.
Der Obstgehölzschnitt sollte an trockenen, frostfreien Tagen durchgeführt werden. Bei starkem
Frost kann der Baum die frischen Schnittflächen nur schwer schließen. Ist es feucht, bieten sich die
Schnittwunden als Eintrittspforte für Krankheitserreger an. Werden nur kleine Äste entfernt, ist das
in der Regel unproblematisch. Die Schnittwerkzeuge sollten scharf und in einwandfreiem Zustand
sein, um Verletzungen vorzubeugen und eine glatte, gut verschließbare Wunde am Ast zu
hinterlassen.
Flechten im Obstbaum sind übrigens keine Gefahr für den Baum. Die epiphytischen
Zusammenschlüsse aus Pilzen und Algen sind eher ein Zeichen für gute Luft und können
bedenkenlos am Baum verbleiben. Ein starker Bewuchs aus Moosen dagegen ist ein Indikator
dafür, dass die Baumkrone zu schlecht belichtet wird. Durch einen Pflegeschnitt und die Entnahme
von innen liegenden Ästen wird die Belichtung und die Durchlüftung verbessert und die
feuchtigkeitsspeichernden Moose in Schach gehalten.
Werden größere Äste entnommen, sollten diese auf Astring geschnitten werden. Beim Schnitt ist zu
beachten, dass erst ein sogenannter Entlastungsschnitt an der Unterseite des Astes vorgenommen
wird, um ein Ausreißen der Rinde zu verhindern.
Befinden sich kleinere tote Äste im Baum, die nicht bruchgefährdet sind, können diese im Baum
belassen werden. Sie bieten verschiedensten Vögeln Sing- und Jagdwarten und dienen vielen
Insekten als Unterschlupf. Das Schnittgut, insbesondere größere Äste können, auf der Wiese
gestapelt werden und als Nisthilfen dienen. So fördern Sie die Diversität auf Ihrer Obstwiese und
erhalten das ökologische Gleichgewicht