Obstgarten im Juni

Alle Jahre wieder: rechtzeitiges Ausdünnen der Früchte
Obwohl der natürliche Junifall bei den Bäumen für eine deutliche Entlastung sorgt, bleiben in den meisten Fällen immer noch zu viele Früchte hängen. Das ist in zweierlei Hinsicht schlecht, denn zum einen bleiben die Früchte zu klein und haben oft weniger Inhaltsstoffe, andererseits fördert dies besonders beim Kernobst die gefürchtete Alternanz: nach einem Jahr mit sehr vielen Früchten haben die Bäume im nächsten Jahr kaum oder nur ganz wenige. Folgende Ausdünnungsstrategie ist für den Garten sinnvoll:

Zwetschen: 
bei sehr starkem Fruchtansatz ausdünnen. Hierzu gibt es 2 Möglichkeiten: entweder mit der Schere ganze Äste herausschneiden oder einzelne Früchte von Hand entfernern (Faustzahl: ca. 30 Früchte pro Meter Fruchtholz).
Apfel: 
Handausdünnung: bei Sorten mit zu hohem Fruchtansatz jetzt überschüssige Früchte von Hand entfernen. Vereinzeln der Früchte auf 1 Frucht (kleinfrüchtige Sorten) oder 2 –3 Früchte/Blütenstand (großfrüchtige Sorten). Bei Bäumen auf der Unterlage M9 (ca. 2.5 m hoch) sollte die Gesamtfruchtzahl 80-max. 100 Früchte nicht überschreiten. Dann gibt es die besten Fruchtgrößen und regelmäßige Erträge sind zu erwarten. Belässt man deutlich höhere Fruchtzahlen, die ohne Handausdünnung regelmäßig vorkommen (bis zu 250 Früchte sind keine Seltenheit), ist die Alternanz vorprogrammiert. Alternazanfällige Sorten sind beispielsweise Elstar oder Boskoop. Je früher die Handausdünnung vorgenommen wird, desto eher sind über die Jahre regelmässige Erträge zu erwarten. 

Am Besten, Sie probieren diese Handausdünnung einmal aus und beobachten, wie der Baum im nächsten Jahr reagiert. Ein weiterer Vorteil: sie können natürlich gezielt beschädigte, angestochene oder schlecht positionierte Früchte entfernen, so dass zum Schluß nur die guten an der Peripherie des Baumes übrig bleiben. Diese bekommen dann die meiste Sonne und danken dies mit optimalen Geschmack und Aroma! 

Faustzahlen für die Ausdünnung: 

ObstartAusdünnung
Zwetschen20-25 Früchten pro lfm Fruchtholz
Äpfel, BirneVereinzeln der Früchte auf 1 Frucht (kleinfrüchtige Sorten wie Rubinette, Elstar) oder 2 Früchte/Fruchtstand (großfrüchtige Sorten wie Boskoop, Jonagold). 
Bei Bäumen auf der Unterlage M9 (ca. 2.5 m hoch) sollte die Gesamtfruchtzahl 80-max. 100 Früchte nicht überschreiten, bei deutlich größeren Bäumen auf mittelstark wachsenden Unterlagen ca. 150 Früchte
Pfirsiche, NektarinenDamit sich die Früchte bei zunehmendem Dickenwachstum später nicht gegenseitig abdrücken, sollte der Abstand zwischen den Früchten faustbreit sein.
AprikosenAbstand zwischen den Früchten 3-Finger breit
  • Kernobst Apfel, Birne, Quitte: verstärkt auf Feuerbrandbefall achten (spazierförmige Krümmung der Triebspitzen, evtl. bernsteinfarbene und stecknadelkopfgroße Schleimtropfen). Auch Wirtspflanzen wie Zwergmispel (Cotoneaster), Feuerdorn (Pyracantha), Weissdorn (Crataegus) und Vogelbeere (Sorbus) beobachten. Bei Befall: Kernobst ins gesunde Holz zurückschneiden, befallene Zierpflanzen komplett roden und verbrennen.
  • Juniriss: Krautige Triebe, die für den Baumaufbau nicht benötigt werden oder an ungünstigen Positionen stehen, können im Juni weggerissen werden. Das erspart später viel Arbeit. Durch das herausreißen mitsamt der Beiaugen wird so ein übermässiger Neuaustrieb im nächsten Jahr verhindert. Das Reißen von jungen Trieben geht schneller als Schneiden und fördert gleichzeitig die Wundheilung.
  • Monilia bei Steinobst: Infizierte Blüten und Triebspitzen bei Aprikosen, Pfirsichen und insbesondere Sauerkirschen herausschneiden. Dadurch kann der Infektionsdruck deutlich reduziert werden.
  • Insbesondere während schwül-heißer Witterung sollten Stachelbeeren auf Mehltaubefall kontrolliert werden: Befallene Triebspitzen abschneiden und entfernen. Bei den frühen Sorten kann man bei Starkwachsenden Sorten gleichzeitig einen Sommerschnitt (Nachernteschnitt) durchführen. Grundsätzlich gilt: anfällige Sorten gehören nicht in den Hausgarten und sollten durch mehltaufeste Sorten wie Rokula oder Invicta ersetzt werden.
  • Jetzt ist eine gute Zeit zum Formieren der von Jungbäumen. Dabei werden ungünstig oder steil stehende Triebe im Kopfbereich entfernt oder herunter gebogen. Die Triebspitze sollte dabei immer leicht nach oben zeigen. Beim Binden sollte man darauf achten, dass der Trieb keinen „Katzenbuckel“ macht.